Wer bekommt Cannabis als Schmerzmitt
Wer bekommt Cannabis als Schmerzmitt
Millionen Menschen in Deutschland leben mit chronischen Schmerzen. Der Weg zu einer wirksamen Linderung ist oft lang und frustrierend. Während herkömmliche Medikamente an ihre Grenzen stoßen, rückt eine der ältesten Heilpflanzen der Welt wieder in den Fokus der modernen Medizin, die gezielt Cannabis als Schmerzmittel einsetzt.
Doch hier geht es nicht um den illegalen Konsum. Medizinisches Cannabis ist ein streng kontrolliertes Arzneimittel, das von Ärzten verschrieben und in der Apotheke als Öl, Spray oder Blüte abgegeben wird. Der entscheidende Unterschied liegt im Ziel: Es geht nicht um einen Rausch, sondern um eine therapeutische Wirkung bei schweren Erkrankungen.
Aber für wen kommt diese Behandlung wirklich infrage und ist medizinisches Cannabis legal in Deutschland? Eingesetzt wird es nur, wenn andere Therapien versagt haben, teils als Alternative zu Opioiden bei Schmerzen. Dieser Artikel erklärt faktenbasiert, wie es wirkt und wer es bekommen kann.
Medizinisches Cannabis: Was ist der Unterschied zu "Gras von der Straße"?
Der vielleicht wichtigste Unterschied zwischen medizinischem Cannabis und illegalen Produkten liegt in der pharmazeutischen Qualität. Jedes Präparat aus der Apotheke wird streng auf seine Reinheit kontrolliert. Das bedeutet, es ist garantiert frei von Verunreinigungen wie Pestiziden, Schimmelpilzen oder Schwermetallen, die bei „Straßengras“ ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko darstellen können. Für Patienten ist diese garantierte Sicherheit ein entscheidender Faktor.
Darüber hinaus ist bei medizinischem Cannabis der Gehalt der Wirkstoffe – also von THC und CBD – exakt bekannt und standardisiert. Ob als Öl, Spray oder Blüte, der Arzt kann eine genaue Dosis festlegen, ähnlich wie bei einer Schmerztablette. Bei illegalem Cannabis ist die Stärke hingegen völlig ungewiss, was die Wirkung unberechenbar macht und die Gefahr von Nebenwirkungen stark erhöht.
Schließlich ist auch der Weg zum Patienten ein vollkommen anderer. Medizinisches Cannabis wird von einem Arzt nach sorgfältiger Prüfung auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben und ausschließlich in der Apotheke abgegeben. Es handelt sich somit um eine kontrollierte, ärztlich begleitete Therapie, die nichts mit dem Konsum als Rauschmittel zu tun hat.
Wie kann Cannabis Schmerzen überhaupt lindern? Ein Blick in den Körper
Dass Cannabis wirken kann, liegt an einer faszinierenden Tatsache: Unser Körper ist von Natur aus darauf vorbereitet. Er besitzt ein eigenes, komplexes Regelsystem, das die Wissenschaft als Endocannabinoid-System bezeichnet. Dieses System hilft dabei, wichtige Funktionen wie Schmerzempfinden, Appetit und Entzündungsreaktionen im Gleichgewicht zu halten und spielt daher eine Schlüsselrolle bei der Schmerzverarbeitung.
Stellen Sie sich dieses System am besten wie ein Netzwerk aus unzähligen kleinen Schlössern (sogenannten Rezeptoren) vor, die überall im Körper verteilt sind, besonders im Gehirn und in den Nervenbahnen. Die Wirkstoffe aus der Cannabispflanze, die Cannabinoide, passen wie maßgefertigte Schlüssel in diese Schlösser, da sie den körpereigenen Botenstoffen stark ähneln.
Wenn ein solcher „Schlüssel“ in ein „Schloss“ passt und es umdreht, wird die Weiterleitung von Schmerzsignalen zum Gehirn direkt beeinflusst – das Signal wird gedämpft oder neu bewertet. Gleichzeitig können bestimmte Wirkstoffe Entzündungen im Gewebe lindern, eine häufige Ursache für Schmerzen. Doch nicht jeder Schlüssel hat dieselbe Funktion, was erklärt, warum unterschiedliche Cannabis-Wirkstoffe auch unterschiedlich eingesetzt werden.
THC vs. CBD: Die zwei Haupt-Wirkstoffe und ihre Aufgaben im Team
Von den über 100 verschiedenen Wirkstoffen (Cannabinoiden) in der Pflanze sind vor allem zwei für die Schmerztherapie von Bedeutung: THC und CBD. Man kann sie sich wie zwei sehr unterschiedliche Teamkollegen vorstellen, die jeweils eine eigene, wichtige Aufgabe bei der Schmerzlinderung übernehmen.
THC (Tetrahydrocannabinol) ist der wohl bekannteste Wirkstoff. Er ist für die psychoaktive, also die berauschende Wirkung verantwortlich, die man umgangssprachlich als „high“ bezeichnet. In der Medizin wird es jedoch gezielt für seine starke schmerzstillende Eigenschaft geschätzt, da es direkt die Schmerzwahrnehmung im Gehirn blockieren kann.
Sein Gegenstück ist CBD (Cannabidiol), das keine berauschende Wirkung hat. CBD wird in der Schmerztherapie vor allem wegen seiner entzündungshemmenden und angstlösenden Eigenschaften eingesetzt. Es wirkt oft im Hintergrund, indem es Schmerzursachen wie Entzündungen bekämpft und gleichzeitig die psychoaktiven Effekte von THC abmildern kann.
Genau dieses Zusammenspiel macht medizinisches Cannabis so flexibel. Anstatt nur einen Wirkstoff zu nutzen, kann ein Arzt das THC und CBD Verhältnis bei Schmerzen gezielt an die Bedürfnisse des Patienten anpassen. So wird versucht, eine maximale Schmerzlinderung bei möglichst geringen Nebenwirkungen zu erreichen. Doch wer kommt für eine solche Therapie überhaupt infrage?
Wer bekommt Cannabis als Schmerzmittel? Die Voraussetzungen in Deutschland
Die Verschreibung von medizinischem Cannabis ist in Deutschland an klare gesetzliche Bedingungen geknüpft. Es ist keine Standardtherapie, sondern eine Option für bestimmte Fälle. Die wichtigste Voraussetzung ist das Vorliegen einer „schwerwiegenden Erkrankung“. Das Gesetz versteht darunter nicht nur lebensbedrohliche Leiden; auch chronische Schmerzen, die die Lebensqualität erheblich einschränken, können hierzu zählen.
Geeignete Schmerzarten können sein:
- Chronisch-neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen)
- Schmerzen bei Multipler Sklerose
- Fibromyalgie-Symptome
- Schwere Arthroseschmerzen
- Tumorschmerzen
Darüber hinaus muss eine weitere Bedingung erfüllt sein: Der Patient muss als „austherapiert“ gelten. Das bedeutet, dass allgemein anerkannte medizinische Behandlungen, wie klassische Schmerzmittel, entweder nicht ausreichend gewirkt haben oder vom Patienten aufgrund starker Nebenwirkungen nicht vertragen wurden. Cannabis als Medizin wird also erst dann in Betracht gezogen, wenn die üblichen Wege bereits ausgeschöpft sind.
Am Ende gilt jedoch: Es gibt keine feste Liste von Krankheiten, die automatisch für ein Rezept qualifizieren. Die Entscheidung liegt immer beim behandelnden Arzt. Dieser prüft im Einzelfall, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind und ob eine Therapie mit Cannabis eine realistische Chance auf Linderung der Beschwerden verspricht.
Der Weg zum Rezept: Welcher Arzt verschreibt Cannabis und wie?
Viele Patienten fragen sich, an welchen Spezialisten sie sich wenden müssen. Die Antwort ist oft einfacher als gedacht: Grundsätzlich darf jeder niedergelassene Arzt – vom Hausarzt bis zum Schmerztherapeuten, mit Ausnahme von Zahnärzten – medizinisches Cannabis verschreiben. Es ist also nicht notwendig, einen speziellen „Cannabis-Arzt“ zu suchen; Ihr vertrauter Mediziner ist der richtige erste Ansprechpartner.
Die Verschreibung selbst unterscheidet sich jedoch von einem normalen rosa Rezept. Da Cannabis in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, erfolgt die Verordnung auf einem speziellen, fälschungssicheren gelben Formular: dem Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept). Dieser Prozess ist derselbe wie bei anderen starken Schmerzmitteln und stellt sicher, dass die Abgabe streng kontrolliert und vollkommen legal ist.
Für ein erfolgreiches Gespräch ist eine gute Vorbereitung entscheidend. Sammeln Sie Ihre medizinischen Unterlagen und notieren Sie, welche Therapien Sie bereits ohne Erfolg probiert haben. Indem Sie klar aufzeigen, dass klassische Behandlungen ausgeschöpft sind, helfen Sie Ihrem Arzt, die Notwendigkeit für eine Cannabis-Therapie nachzuvollziehen und Ihre Erfahrungen ernst zu nehmen.
Öle, Sprays und Blüten: Wie medizinisches Cannabis angewendet wird
Anders als viele vermuten, wird medizinisches Cannabis meist nicht geraucht. Die gängigste Anwendungsform sind Öle und Sprays, die unter die Zunge getropft werden. Über die Mundschleimhaut gelangen die Wirkstoffe langsam und gleichmäßig in den Körper – ideal, um einen konstanten Wirkspiegel gegen chronische Schmerzen aufzubauen. So lässt sich beispielsweise die Cannabis Dosierung bei Arthrose sehr genau und tropfenweise steuern, was eine sanfte Eingewöhnung ermöglicht.
Für plötzliche, heftige Schmerzattacken gibt es hingegen getrocknete Cannabisblüten. Wichtig dabei ist: Die Anwendung von Cannabisblüten zur Schmerzlinderung erfolgt nicht durch Rauchen, sondern über einen medizinischen Verdampfer, einen sogenannten Vaporizer. Dieses Gerät erhitzt die Blüten nur, anstatt sie zu verbrennen, wodurch die Wirkstoffe als Dampf inhaliert werden können. Der entscheidende Vorteil hierbei ist der sehr schnelle Wirkungseintritt innerhalb weniger Minuten.
Welche Methode für Sie die richtige ist, entscheidet Ihr Arzt anhand Ihres individuellen Schmerzprofils. Oft wird ein Öl für die tägliche Basistherapie mit Blüten für akute Notfälle kombiniert, um eine optimale Linderung zu erreichen. Diese gezielte Anwendung ist entscheidend, denn die Wirkung ist von Person zu Person verschieden. Doch unabhängig von der Form stellen sich wichtige Fragen zur Sicherheit im Alltag.
Was sind die Risiken? Ein ehrlicher Blick auf Nebenwirkungen und Alltagstauglichkeit
Jede wirksame Arznei hat auch Nebenwirkungen, und medizinisches Cannabis ist da keine Ausnahme. Gerade in der Anfangszeit, der sogenannten Einstellungsphase, können Schwindel, Müdigkeit oder Mundtrockenheit auftreten, während der Körper sich an die Wirkstoffe gewöhnt. Diese anfänglichen Nebenwirkungen von Cannabinoiden klingen aber oft nach einigen Tagen oder Wochen wieder ab, sobald der Arzt die passende Dosis gefunden hat.
Eine besonders wichtige Frage betrifft die Alltagstauglichkeit. Grundsätzlich gilt: Wer durch THC-haltige Medikamente in seiner Konzentration oder Reaktion beeinträchtigt ist, darf nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Die Fahrtüchtigkeit ist erst dann wieder gegeben, wenn Sie stabil auf Ihre Dosis eingestellt sind und keine Ausfallerscheinungen zeigen. Dies muss zwingend mit dem behandelnden Arzt abgesprochen und attestiert werden.
Die Sorge vor einer Abhängigkeit ist ebenfalls berechtigt. Zwar besteht bei Cannabis als Schmerzmittel ein gewisses Risiko, Experten schätzen dieses jedoch meist als geringer ein als bei starken Schmerzmitteln wie Opioiden. Eine ärztlich kontrollierte Therapie mit einem gezielt abgestimmten THC und CBD Verhältnis bei Schmerzen minimiert dieses Risiko zusätzlich, da es nicht um den Rausch, sondern um therapeutische Effekte geht.
Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen eine solche Therapie eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko. All diese Punkte zeigen, wie entscheidend die enge ärztliche Begleitung ist, um eine sichere und wirksame Behandlung zu gewährleisten.
Ihr nächster Schritt: Ein informiertes Gespräch mit Ihrem Arzt führen
Die Betrachtung von medizinischem Cannabis wandelt sich von Unsicherheit und Mythen hin zur Anerkennung als ernsthafte medizinische Möglichkeit, die klar von der Freizeitnutzung abgegrenzt ist. Das Verständnis der Grundlagen ist entscheidend für einen informierten Umgang mit dem Thema.
Medizinisches Cannabis ist dabei kein Wundermittel, sondern eine legitime Option innerhalb einer modernen Schmerztherapie. Der Schlüssel zu positiven Erfahrungen mit Cannabis auf Rezept liegt fast immer in der engen, vertrauensvollen Begleitung durch einen Arzt, der die Dosierung langsam und kontrolliert anpasst.
Der wichtigste Schritt ist einer, den Sie selbst in die Hand nehmen können. Führen Sie eine Woche lang ein Schmerztagebuch: Notieren Sie, wann Schmerzen auftreten und wie stark sie sind. Mit dieser fundierten Vorbereitung wird das Gespräch mit Ihrem Arzt ungemein wertvoller. Sie gehen nicht nur mit einer Frage, sondern mit klaren Informationen in die Praxis – der erste Schritt zu einer besseren Lebensqualität.
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